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Camille Saint-Saëns – Oratorio de Noël

 

Als Camille Saint-Saëns 1858 das „Oratorio de Noël“ komponierte, war er gerade einmal 23 Jahre alt und hatte eine Stelle als Organist an der Pariser Kirche „La Madeleine“ angenommen. Möglicherweise schrieb er das Werk für die am 25. Dezember anstehende Weihnachtsmesse. Es war eine vorläufige Fassung, an der er weiter arbeitete. Die offizielle Uraufführung fand erst 1869 statt.

Nachdem der zeitgenössische Dirigent Pasedeloup das „Oratorio de Noël" zum ersten Mal gehört hatte, verwarf er es mit den Worten: „Das ist ja Bach!“ Bach genoss kein besonderes Ansehen im damaligen öffentlichen Pariser Musikleben. Ob es sich um eine Stilkopie handelt, ist fraglich. Sicher ist, dass Saint–Saëns das Weihnachtsoratorium von Bach bestens gekannt haben muss, denn es ist belegt, dass er Abonnent der Neuausgabe des Gesamtwerks von J. S. Bach war. Er verehrte ihn und erwies ihm seine Achtung, indem er an den Anfang seines 10-sätzigen Werkes ein Vorspiel „im Stil Sebastian Bachs“ setzte. Er übernahm offensichtlich den Titel bewusst und imitierte sogar ausdrücklich dessen pastorale Musik. Insofern trägt sein Weihnachtsoratorium durchaus Stilzüge von Bach.

Das bedeutete aber nicht, alles genauso wie Bach zu machen. Vielmehr verband Saint-Saëns einige Charakteristika des barocken Meisters mit der musikalischen Sprache der Romantik. Schon die Besetzung lässt dies erkennen. Streicher, Harfe und Orgel bilden das Orchester bei Saint-Saëns, die für Bach typischen Pauken und Trompeten und alle weiteren Bläser fehlen. Die Komposition wird geprägt durch eine lyrisch – kontemplative Grundstimmung und ein zurückhaltendes, warmes Klangbild.

Auch textlich unterscheiden sich die Werke. Bach lässt die Weihnachtsgeschichte in aller Ausführlichkeit in zahlreichen Rezitativen erzählen, unterbrochen durch Arien und Choräle mit Gebeten und Dichtungen anderer Autoren. Saint-Saëns entschied sich für nur ein Rezitativ am Anfang, in dem die Engel den Hirten die Botschaft von Jesu Geburt überbringen und das mit dem Jubelgesang der Engel "Gloria in altissimis Deo" endet. Dann setzte er sein Werk auf ungewöhnliche Weise fort: Er verknüpfte neu- und alttestamentarische Quellen und wählte exemplarische Kernaussagen aus Psalmen und prophetischen Schriften. Glaube, Vertrauen, Hoffnung, Dankbarkeit gegenüber dem barmherzigen, helfenden, schützenden Gott, der sein Volk Israel aus Not und Elend befreit, stehen im Vordergrund. So schuf er eine Klammer zwischen beiden biblischen Überlieferungen und damit zugleich zwischen den beiden Religionen Christen- und Judentum, deren gemeinsames Fundament die hebräische Bibel ist.

Musikalisch erfahren die biblischen Zitate eine kontinuierliche Steigerung: Nach den Rezitativen und einer Solo-Arie weitet sich die Perspektive über Duett, Terzett, Quartett bis hin zum Quintett. Der Chor unterbricht und ergänzt die Soli und beendet das Werk schließlich mit einer majestätischen, festlichen Hymne.

Die einzelnen Sätze

Nr. 1 Prélude (« Dans le style de Seb. Bach“) Instrumentales Vorspiel im wiegenden, ruhigen Tempo mit zärtlich - melancholischem Charakter. Saint–Saëns suggerierte damit – ähnlich wie Bach – das Bild der musizierenden Hirten auf dem Feld bei Bethlehem, bevor der Engel erscheint. Die Wärme dieses Prélude ist charakteristisch für das gesamte Werk und stimmt die Zuhörer auf eine besinnliche Weihnachtszeit ein.

Nr. 2 Récit et Chœur   Aus Lucas 2, 8-13

Tenor: Et pastores erant in regione eadem vigilantes et custodientes vigilias noctis super gregem suum.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde.

Alt: Et ecce Angelus Domini stetit juxta illos, et claritas Dei circumfulsit illos, et timuerunt timore magno. Et dixit illis Angelus:

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:

Sopran: Nolite timere! Ecce enim evangelizo vobis gaudium magnum, quod erit omni populo: quia natus est vobis hodie Christus Dominus in civitate David. Et hoc vobis signum: Invenientes infantem pannis involutum, et positum in praesepio.

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute geboren Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Bariton: Et subito facta est cum Angelo multitudo militiae coelestis, laudantium Deum, et dicentium:

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Chor: Gloria in altissimis Deo, et in terra pax hominibus bonae voluntatis!

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!

Nr. 3 Air    Aus Psalm 40, 2

Expectans expectavi Dominum. Et intendit mihi.

Ich harrte, ich harrte  des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Flehn.

Saint–Saëns wechselte ins Alte Testament und erinnerte in diesem Psalm an das beständige Hoffen und Warten der Menschen auf den Messias, der sie aus ihrem Elend befreien und von ihren Sünden erlösen wird. Der barmherzige Gott erhörte ihr Flehen und neigte sich den Menschen zu. Das Gebet soll Glauben und Vertrauen an Gott stärken und den Menschen Mut machen, ihre Hoffnung nicht aufzugeben. Musikalisch erleben wir zwei deutliche Phasen: eine lange Phase des Wartens mit immerwährenden auf- und absteigenden musikalischen Bewegungen und eine Phase der beruhigenden Gewissheit der Zuneigung. Das betende Ich steht für die Menschheit und wird durch eine Solo-Arie des Mezzosoprans vertreten.

Nr. 4 Air et Chœur   Aus Johannes 11, 27 + Matthäus 16,16

Domine, ego credidi, quia tu es Christus, Filius Dei vivi, qui in hunc mundum venisti.

Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.

Noch einmal wechselte Saint–Saëns ins Neue Testament und wählte ein kurzes, nachdrücklich beteuerndes Glaubensbekenntnis an Christus. Zwei Bibelquellen kommen in Betracht. In der normalerweise angegebenen Quelle Johannes 11, 27 geht es auf Martha, die Schwester des verstorbenen Lazarus in der Geschichte "Die Auferweckung des Lazarus" zurück, nachdem Jesus sie nach ihrem Glauben gefragt hatte. Da das Solo aber von einem Tenor gesungen wird, liegt eine andere Bibelstelle nahe. In Mathäus 16, 16 wird Petrus von Jesus gefragt, wer er sei. Petrus antwortete: "Du bist der Christus, der Sohn Gottes".

Nr. 5 Duo  Aus Psalm 118, 26-28

Benedictus, qui venit in nomine Domini! Deus Dominus, et illuxit nobis. Deus meus es tu, et confitebor tibi. Deus meus es tu et exaltabo te.

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

Das betende "Ich" bekennt sich zu Gott und bedankt sich für seine Hilfe und seinen Schutz. Das Duett für Sopran und Bariton wird neben der Orgel erstmals auch von der Harfe begleitet. Auf dem Hintergrund der quasi hingetupften Akkorde der beiden Instrumente begegnen sich die beiden Stimmen erst nacheinander und gehen dann in einen innigen Choralgesang über.

Nr. 6 Chœur   Aus Psalm 2, 1

Quare fremuerunt gentes et populi meditati sunt inania? Gloria Patri, gloria Filio, gloria Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.

Warum toben die Heiden und schmieden die Völker nichtige Pläne? Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar. Amen.

Mit einem dramatischen, sich steigernden Fortissimo charakterisiert der Chor musikalisch den Appell an die Menschen, sich gegen die Heiden und nichtgläubigen Herrscher der Erde aufzulehnen und ihre Fesseln zu zerstören. Dann werden die Fragen leiser, beschwörender gestellt und gehen am Ende in ein gefühlvolles Schlussgebet an die Dreifaltigkeit über.

Nr. 7 Trio     Aus Psalm 110, 3

Tecum principium in die virtutis tuae in splendoribus Sanctorum.

Bei dir ist die Herrschaft am Tage deiner Macht im Glanze des Heiligtums.

Der Text geht auf das Versprechen Gottes zurück, David als Priesterfürsten auf dem heiligen Tempelberg Zion einzusetzen und ihn mit Pracht und Glanz auszustatten. Das Terzett aus Sopran, Tenor, Bariton wird von der perlenden Harfe umspielt.

Nr. 8 Quatuor   Aus Jesaja 49, 13

Alleluja. Laudate coeli, et exulta terra, quia consulatus est Dominus populum suum; et pauperum suorum miserebitur.

Halleluja. Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

Das Solistenquartett aus Sopran, Mezzosopran, Alt und Bariton stimmen einen dankbaren Freudengesang über die Errettung Israels von seinen Feinden mit Gottes Hilfe an. Er ist verbunden mit dem Gotteslob "Halleluja".

Nr. 9 Quintette et Chœur    Aus Klagelied 2, 19  und Jesaja 62, 1

Consurge, filia Sion. Alleluja. Lauda in nocte, in principio vigiliarum. Alleluja. Egrediatur ut splendor justus Sion, et Salvator ejus ut lampas accendatur. Alleluja.

Steh auf, Tochter Zion. Halleluja. Lobe in der Nacht und zu Beginn der Nachtwache. Halleluja. Bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel. Halleluja.

Auch hier ein Freudengesang über die Errettung Jerusalems, verbunden mit dem Gotteslob "Halleluja". Das instrumentale Vorspiel greift die melancholisch-gefühlvolle Hirtenmelodie des ersten Teils wieder auf, in die das Solistenquintett nacheineinander, dann auch der Chor mit dem Gotteslob einstimmen. Der Satz endet mit leisen Variationen zur Hirtenmelodie. Der Text wurde zwei Bibelquellen entnommen.

Nr. 10 Choeur     Aus Psalm 96, 8

Tollite hostias, et adorate Dominum in atrio sancto ejus. Laetentur coeli, et exultet terra a facie Domini, quoniam venit. Alleluja.

Bringet Geschenke und betet an den Herrn in seinen Vorhöfen! Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, vor dem Herrn; denn er kommt. Halleluja.

Gemeinsam mit dem Orchester singt der Chor dieses festliche Schlusslied, ein Lob- und Freudengesang zu Ehren Gottes, der zu den Menschen kommt, um sie zu erlösen.

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