Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Die Sätze

Zum Begriff  "Oratorium"

Ein Oratorium ist die Vertonung einer dramatischen, meist geistlichen Handlung (Orare = beten, Oratorium = Bethaus), die auf mehrere Solisten, Chor und Orchester verteilt wird. Im Gegensatz zur Oper wird ein Oratorium konzertant aufgeführt, die Handlung wird also nur über die Texte und die Musik vorgestellt. Der Text ist in einem "Libretto" festgelegt.

 

Inhalt der Schöpfung

Drei Quellen liegen dem Libretto zugrunde: das Buch Genesis in der Übersetzung der Lutherbibel, das Buch der Psalmen und John MiltonsParadise Lost“. Das Material soll von dem englischen Autor Lidley zu einem Oratorien-Libretto verarbeitet worden sein, das ursprünglich für Händel bestimmt war. Händel setzte es jedoch nie in Musik um. Über seinen britischen Gastgeber gelangte Haydn an eine Kopie des Librettos, als er sich 1794 in England aufhielt. Nach Wien zurückgekehrt, händigte er es seinem Freund und Gönner Baron Gottfried van Swieten aus, der das englische Original ins Deutsche übersetzte und eine Rückübersetzung ins Englische vornahm, nachdem das Werk beendet war. So konnte es im Jahre 1800 zweisprachig veröffentlicht werden. Es wird auch heute noch in beiden Sprachen aufgeführt.

Van Swieten war aber nicht nur Übersetzer, sondern auch poetischer und musikalischer Berater Haydns. Charakteristisch für sein Libretto ist seine eindrückliche Bildsprache, die Haydn zu instrumentaler Tonmalerei inspirierte. Die traditionelle Rolle des Erzählers übertrug van Swieten drei Erzengeln, Raphael, Uriel und Gabriel. Sie  schildern in ihren Rezitativen und Arien die ersten sechs Tage der Schöpfungsgeschichte. Ihnen sind die Stimmlagen Bass, Tenor, Sopran zugeordnet. Inhalt und gewünschte Atmosphäre entscheiden darüber, welche Textpassage von welchem Erzengel übernommen wird. So beschreibt Raphael alles Dunkle, Tiefe, Schwere, beispielsweise den Urzustand der Erde, die Stürme, den tiefen Meeresgrund, die gewaltigen Wellen, die Walfische. Uriel als Lichtgestalt besingt im Tenor die himmlischen Heerscharen, die Lichter am Himmel, die muntere Vogelschar, während Gabriel das frische Grün und den Gesang der Vögel im Sopran charakterisiert. Im dritten Teil des Oratoriums ist Uriel der alleinige Erzähler, der Bass übernimmt die Rolle des Adam, der Sopran die der Eva.

 

Grundstruktur

Das Werk besteht aus drei Teilen. Der erste Teil umfasst die Tage eins bis vier der Schöpfungsgeschichte, an denen der Kosmos und die Vegetation geschaffen werden. Der zweite Teil  beschreibt den fünften und sechsten Tag, an denen die Tiere und Menschen entstehen. Der dritte Teil ist ausschließlich dem Menschenpaar Adam und Eva, ihrem paradiesischen Leben sowie den Lobpreisungen Gottes gewidmet. Jedem Schöpfungstag sind unterschiedlich viele Sätze zugeordnet. Meist eröffnet ein Erzengel eine neue Szene in Form eines kurzen Rezitativs im Präteritum. Es folgt dann eine Arie desselben Erzengels, in der er die einzelnen Schöpfungsinhalte poetisch ausschmückt. Hier wechselt die Erzählung in die Gegenwartsform, die den Hörern suggeriert, dass sie die Entstehung der neuen Welt unmittelbar miterleben. Jeder Schöpfungstag endet mit Lobpreisungen an den Schöpfer, die vom Chor (der Engel) in kunstvollen Variationen vielfach wiederholt und bekräftigt werden.

 

Erster Teil

Erster Schöpfungstag

Am Anfang war die Erde formlos, finster und leer. Diesen Urzustand der Welt galt es musikalisch überzeugend auszudrücken. Viele Skizzen belegen, dass Haydn lange um eine befriedigende Lösung gerungen hat.  Schließlich gelang ihm ein eher unkonventionelles, aber geniales instrumentales Vorspiel, das die Zuhörer bis heute in Begeisterung versetzt.

Die Szene beginnt mit einer Art "Urknall", der im Nichts, einer fast unheimlichen Stille, langsam schwindet. Im Pianissimo folgen träge Klangbewegungen der Streicher, dann ein zweiter „Urknall“, der ähnlich verläuft. Melodische Fragmente, dissonante Klänge, einzelne Modulationen treten hervor, irren ziellos umher und verschwinden langsam wieder in einer grummelnden Ungwissheit. Es ist ein beständiger Wechsel zwischen hoffnungsvollem Aufkeimen und spurlosem wieder Vergehen. Die leisen, klagenden Stimmen und einsamen, sehnsuchtsvollen Rufe der Flöte und Klarinette erzeugen eine unendliche Traurigkeit und Wehmut in dieser Einsamkeit. Im Pianissimo endet die instrumentale Darstellung und überlässt nun der Bassstimme des Raphael den Raum, den Zustand der Erde in Sprache zu fassen. Im Pianissimo setzt auch der Chor ein, passt sich an die geheimnisvolle dunkle Grundstimmung an, spitzt sie atmosphärisch zu, bis plötzlich, in einer gewaltigen Explosion das  „Licht“ erstrahlt. Der erste Schöpfungstag hat begonnen.

Mit seinem helleren Stimmklang übernimmt nun der Tenor die Erzählung. Begleitet von hellen Flöten bekräftigt er noch einmal den Sieg des Lichts über die Dunkelheit, über ihre Schatten und Höllengeister, die vor dem Licht erstarren. Der Chor greift die Erzählung auf und schildert in einer dramatischen Fuge die Wut, den Schrecken und den Sturz der Höllengeister in die ewige Nacht. Endlich ist das Böse überwunden, Verwirrung und Chaos weichen und eine neue Ordnung keimt empor, die auf eine ideale Zukunft hindeutet.

 

Satz Nr. 1: Rezitativ des Raphael (Bass) und Chor

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde war ohne Form und leer; und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

Chor: Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser; und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht!

 

Satz Nr. 2: Rezitativ und Arie des Uriel (Tenor) mit Chor

Rezitativ: Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis.

Arie: Nun schwanden vor dem heiligen Strahle des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten: Der erste Tag entstand. Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor. Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar in des Abgrunds Tiefen hinab zur ewigen Nacht.

Chor: Verzweiflung, Wut und Schrecken begleiten ihren Sturz, und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort.

 

Zweiter Schöpfungstag

Nun schafft Gott ein durchsichtiges Gewölbe und trennt damit das Wasser voneinander. Die meteorologischen Phänomene wie Wolken, Regen, Hagel, Schnee, Stürme, Blitze, Donner befinden sich fortan oberhalb des Firmaments.  Alle Erscheinungen werden tonmalerisch kurz angedeutet, bevor sie im Text erwähnt werden. Am Ende des Tages stimmt der Erzengel Gabriel das Loblied auf den zweiten Tag an, welches vom Chor der Engel aufgegriffen und mehrfach repetiert wird.

 

Satz Nr. 3: Rezitativ des Raphael (Bass)

Und Gott machte das Firmament und teilte die Wasser, die unter dem Firmament waren, von den Gewässern, die ober dem Firmament waren, und es ward so. Da tobten brausend heftige Stürme; wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken. Die Luft  durchschnitten feurige Blitze und schrecklich rollten die Donner umher. Der Flut entstieg auf sein Geheiß der allerquickende Regen, der allverheerende Schauer, der leichte, flockige Schnee.

 

Satz Nr. 4 Gabriel (Sopran) mit Chor

Mit Staunen sieht das Wunderwerk der Himmelsbürger frohe Schar, und laut ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.

Chor: Und laut ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.

 

Dritter Schöpfungstag

Als nächstes widmet Gott sich dem Wasser unterhalb des Firmaments. Auf sein Geheiß sammelt es sich an einem Platz, damit trockenes Land entstehe. So werden Erde und Meer erschaffen. Raphael illustriert mit seinem Bass die rollenden Meereswellen, die Auffaltung der Gebirge, den breiten, trägen Strom und den lieblichen Bach im stillen Tal. Im hellen Sopran lässt Gabriel nun Pflanzen, Gräser, Kräuter, Blumen, Obstbäume wachsen und verleiht ihnen durch ihren Koloraturgesang sozusagen Farbe und Schmuck. Der Tenor schließlich kündigt den Chor der Engel an, die Gott und seine Schöpfung mit einer als Fuge gestalteten Hymne lobpreisen.

 

Satz Nr. 5 Rezitativ des Raphael (Bass)

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel zusammen an einem Platz und es erscheine das trockne Land; und es ward so. Und Gott nannte das trockne Land "Erde" und die Sammlung der Wasser nannte er "Meer"; Und Gott sah, dass es gut war.

 

Satz Nr. 6 Arie des  Raphael (Bass)
Rollend in schäumenden Wellen bewegt sich ungestüm das Meer. Hügel und Felsen erscheinen, der Berge Gipfel steigt empor. Die Fläche, weit gedehnt, durchläuft der breite Strom in mancher Krümme. Leise rauschend windet sich der helle Bach im stillen Tal.

 

Satz Nr. 7 Rezitativ des Gabriel (Sopran)

Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor, Kräuter. die Samen geben, und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde; und es ward so.

 

Satz Nr. 8 Arie des Gabriel (Sopran)

Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar. Den anmutsvollen Blick erhöht der Blumen sanfter Schmuck. Hier duften Kräuter Balsam aus, hier sprosst den Wunden Heil. Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last; Hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich, den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

 

Satz Nr. 9: Rezitativ des Uriel (Tenor)

Und die himmlischen Heerscharen verkündigten den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

 

Satz Nr. 10:  Chor

Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier, lasst euren Lobgesang erschallen! Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott, denn er hat Himmel und Erde bekleidet in herrlicher Pracht!

 

Vierter Schöpfungstag

Uriel rezitiert die Erschaffung der Himmelskörper Sonne, Mond, Sterne als regelmäßig wiederkehrende Lichtquellen für Tag und Nacht. Ihr Turnus soll zukünftig den Tages- und Jahresrhythmus des Lebens bestimmen. Dann lässt uns das Orchester einen wunderbaren Sonnenaufgang erleben, bevor Uriel ihn in seiner Arie besingt. Langsam steigt die Sonne immer höher, nimmt an Kraft zu,  bis die Bewegung im vollen Orchesterklang endet und die Sonne vollends am Himmel erstrahlt.

Es folgt der Mond. Kaum hörbar schleicht er sich empor und wirft sein sanftes Licht in lieblicher Melodie in die Dunkelheit. Mit flirrenden Bewegungen deuten die Streicher die flimmernden Sterne an. Wieder endet der Tag mit dem himmlischen Jubel des Chores, diesmal im Wechsel mit den Solisten. 

 

Satz Nr. 11 Rezitativ des Uriel (Tenor)

Und Gott sprach: Es seien Lichter an der Feste des Himmels, um den Tag von der Nacht zu scheiden und Licht auf der Erde zu geben, und es seien diese für Zeichen und für Zeiten und für Tage und für Jahre. Er machte die Sterne gleichfalls.

 

Satz Nr. 12 Rezitativ des Uriel

In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf, ein wonnevoller Bräutigam, ein Riese stolz und froh, zu rennen seine Bahn. Mit leisem Gang und sanftem Schimmer schleicht der Mond die stille Nacht hindurch. Den ausgedehnten Himmelsraum ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold. Und die Söhne Gottes verkündigten den vierten Tag mit himmlischem Gesang, seine Macht ausrufend also:

 

Satz Nr. 13 Chor mit Soli im Wechsel

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

Gabriel, Uriel, Raphael

Dem kommenden Tage sagt es der Tag, die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht:

Chor
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

Gabriel, Uriel, Raphael

In alle Welt ergeht das Wort, jedem Ohre klingend, keiner Zunge fremd:

Chor
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

 

Zweiter Teil

Fünfter Schöpfungstag

Nachdem nun alle Voraussetzungen für das Leben höherer Kreaturen vorhanden sind, schafft Gott die Tiere des Wassers und der Luft. Die leichten, zwitschernden Vögel sind  der hellen Sopranstimme, die großen Fische des Meeresgrundes der Bassstimme vorbehalten. In musikalischen Bögen durchzieht der Adler die Luft, die Lerche deutet ihren Gesang in den Triolen der Klarinette an, die Tauben „girren“ in den Trillern der Sopranistin und Fagotte. Jubelnde Flöten und Koloraturlinien des Soprans stellen die Nachtigall vor.

Im Kontrast zu den Tieren der Lüfte schildert Raphael die Erschaffung der Tiere in den Tiefen des Wassers. Dann gibt Gott allen Tieren seinen Segen, damit sie fruchtbar seien und sich vermehren. Im Terzett umreißen die drei Erzengel die bisherige Schöpfung, die Vegetation, die Tiere der Luft und des Wassers und stimmen den  Lobgesang an, in den der Chor schließlich einfällt. 

 

Satz Nr. 14 Rezitativ des Gabriel

Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der Fülle hervor webende Geschöpfe, die Leben haben, und Vögel, die über der Erde fliegen mögen in dem offenen Firmament des Himmels.

 

Satz Nr. 15 Arie des Gabriel

Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz und teilet die Luft im schnellesten Fluge zur Sonne hin. Den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied, und Liebe girrt das zarte Taubenpaar. Aus jedem Busch und Hain erschallt der Nachtigallen süße Kehle. Noch drückte Gram nicht ihre Brust, noch war zur Klage nicht gestimmt ihr reizender Gesang.

 

Satz Nr. 16 Rezitativ des Raphael

Und Gott schuf große Walfische und ein jedes lebende Geschöpf, das sich beweget, und Gott segnete sie, sprechend: Seid fruchtbar alle, mehret euch, Bewohner der Luft, vermehret euch und singt auf jedem Aste! Mehret euch, ihr Flutenbewohner, und füllet jede Tiefe! Seid fruchtbar, wachset, mehret euch! Erfreuet euch in eurem Gott! Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen und sangen die Wunder des fünften Tags.

 

Nr. 17 Terzett mit Gabriel, Uriel, Raphael

Gabriel
In holder Anmut stehn, mit jungem Grün geschmückt, die wogigten Hügel da. Aus ihren Adern quillt in fließendem Kristall der kühlende Bach hervor.

Uriel
In frohen Kreisen schwebt, sich wiegend in der Luft, der munteren Vögel Schar. Den bunten Federglanz erhöht im Wechselflug das goldene Sonnenlicht.

Raphael
Das helle Nass durchblitzt der Fisch und windet sich im steten Gewühl umher. Vom tiefsten Meeresgrund wälzet sich Leviathan auf schäumender Well' empor.

Gabriel, Uriel, Raphael
Wie viel sind deiner Werk', o Gott! Wer fasset ihre Zahl? Wer, o Gott! Wer fasset ihre Zahl?

 

Satz Nr. 18 Chor mit Soli

Der Herr ist groß in seiner Macht, und ewig bleibt sein Ruhm.

 

Sechster Schöpfungstag

Am letzten Tag erschafft Gott die Landtiere. Jede Gattung wird durch phantasievolle tonmalerische Details charakterisiert. Haydn führt uns Raubtiere, Waldtiere, Rinderherden, Insekten, Gewürm vor Augen, lässt den Löwen brüllen, den Tiger, den Hirsch, das edle Ross auftreten. Die Weidentiere grasen zu einer ruhigen Hirtenmusik und die Insekten werden durch die Tremoli der Streicher charakterisiert, denen mit tiefer, behäbiger Bewegung das Gewürm folgt.

Raphael zählt noch einmal das bisher Geschaffene auf, um dann zu betonen, dass noch ein einziges Lebewesen fehle.

Die Erschaffung des Menschen ist nun dem Tenor überlassen, zunächst im Rezitativ angekündigt, dann in seiner lyrischen Arie charakterisiert:  Zum Himmel aufgerichtet steht er königlich da, mit Würde und Hoheit angetan, mit breit gewölbter Stirn, aus deren hellem Blick Geist und Weisheit strahlt. Aus ihm wird dann seine Gattin Eva geformt. Unschuldig lächelt sie ihren Gatten an. Die Strophe Adams ist mit Hörnern, Trompeten, Pauken besetzt, die Strophe Evas durch das zarte Wechselspiel von Flöte, Oboe und Fagott. Ihre Liebe haucht sie in einem seligen Pianissimo.  Am Ende des sechsten Tages feiert der Chor der Engel die vollendete Schöpfung und die Zufriedenheit Gottes. Gabriel, Uriel und Raphael besingen in einem eindringlichen Terzett die Allmacht des Schöpfers über Leben und Tod jeglicher Kreatur und der Engelchor fällt bei vollem Orchesterklang erneut in die Lobpreisungen ein.

 

Satz Nr. 19 Rezitativ des Raphael

Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art: Vieh und kriechendes Gewürm und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.

 

Satz Nr. 20 Rezitativ des Raphael

Gleich öffnet sich der Erde Schoß, und sie gebiert auf Gottes Wort Geschöpfe jeder Art, in vollem Wuchs und ohne Zahl. Vor Freude brüllend steht der Löwe da. Hier schießt der gelenkige Tiger empor.
Das zackige Haupt erhebt der schnelle Hirsch. Mit fliegender Mähne springt und wieh'rt  voll Mut und Kraft das edle Ross. Auf grünen Matten weidet schon das Rind, in Herden abgeteilt. Die Triften deckt, als wie gesät, das wollenreiche, sanfte Schaf. Wie Staub verbreitet sich in Schwarm und Wirbel das Heer der Insekten. In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm.

 

Nr. 21 Arie des Raphael

Nun scheint in vollem Glanze der Himmel, nun prangt in ihrem Schmucke die Erde. Die Luft erfüllt das leichte Gefieder, das Wasser schwellt der Fische Gewimmel, den Boden drückt der Tiere Last. Doch war noch alles nicht vollbracht. Dem ganzen fehlte das Geschöpf, das Gottes Werke dankbar sehn, des Herren Güte preisen soll.

 

Satz Nr. 22 Rezitativ des Uriel

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde, nach dem Ebenbilde Gottes schuf er ihn. Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht, und der  Mensch wurde zur lebendigen Seele.

 

Satz Nr. 23 Arie des Uriel

Mit Würd' und Hoheit angetan, mit Schönheit, Stärk' und Mut begabt, gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch, ein Mann und König der Natur. Die breit gewölbt' erhabne Stirn verkünd't der Weisheit tiefen Sinn, und aus dem hellen Blicke strahlt der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild. An seinen Busen schmieget sich für ihn, aus ihm geformt, die Gattin, hold und anmutsvoll. In froher Unschuld lächelt sie,
des Frühlings reizend Bild, ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

 

Satz Nr. 24 Rezitativ des Raphael

Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte; und es war sehr gut. Und der himmlische Chor feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem Gesang:

 

Satz Nr. 25 Chor

Vollendet ist das große Werk. Der Schöpfer sieht's und freuet sich. Auch unsre Freund' erschalle laut, des Herren Lob sei unser Lied!

 

Satz Nr. 26 Terzett

Gabriel, Uriel
Zu dir, o Herr, blickt alles auf. Um Speise fleht dich alles an. Du öffnest deine Hand, gesättigt werden sie.

Raphael
Du wendest ab dein Angesicht, da bebet alles und erstarrt. Du nimmst den Odem weg, in Staub zerfallen sie.

Gabriel, Uriel, Raphael
Den Odem hauchst du wieder aus. Und neues Leben sprosst hervor. Verjüngt ist die Gestalt der Erd' an Reiz und Kraft.

 

Satz Nr. 27 Chor

Vollendet ist das große Werk, des Herren Lob sei unser Lied! Alles lobe seinen Namen, denn er allein ist hoch erhaben! Alleluja! Alleluja!

 

Dritter Teil

Anders als im Schöpfungsbericht vorgesehen, handelt der dritte Teil nicht von der Ruhe Gottes am 7. Tag, sondern vom paradiesischen Leben Adams und Evas im idyllischen "Arkadien". Mit einem langen instrumentalen Vorspiel wird eine helle, freundliche Atmosphäre geschaffen. So entsteht ein deutlicher Kontrast zur Leere und Hoffnungslosigkeit des Anfangs.  Hand in Hand laufen Adam und Eva unbeschwert in der Morgenröte, versichern sich gegenseitig ihrer Liebe und bewundern die Einzelheiten der Schöpfung, während der Engelschor teils begleitetend, teils im Dialog mit den Soli zum Lobgesang aufruft. Es folgt ein monumentaler Schlusssatz, in dem die verschiedenen Stimmen des Chores und der Solisten mit fugal gestalteten Lobpreisungen und Danksagungen miteinander wetteifern, sich hineinsteigern, bis sie sich schließlich in einem Unisono mit dem Orchester vereinigen und das Oratorium feierlich beenden.

 

Satz Nr. 28 Orchestereinleitung und Rezitativ des Uriel

Aus Rosenwolken bricht, geweckt durch süßen Klang, der Morgen jung und schön. Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie zur Erde hinab. Seht das beglückte Paar, wie Hand in Hand es geht!
Aus ihren Blicken strahlt des heißen Danks Gefühl. Bald singt in lautem Ton ihr Mund des Schöpfers Lob; Lasst unsre Stimme dann sich mengen in ihr Lied.

 

Nr. 29 Duett von Eva und Adam mit Chor

Eva und Adam: Von deiner Güt', o Herr und Gott, ist Erd' und Himmel voll. Die Welt, so groß, so wunderbar, ist deiner Hände Werk.

Chor: Gesegnet sei des Herren Macht, sein Lob erschall' in Ewigkeit.

Adam: Der Sterne hellster, o wie schön verkündest du den Tag! Wie schmückst du ihn, o Sonne du, des Weltalls Seel' und Aug'!

Chor: Macht kund auf eurer weiten Bahn des Herren Macht und seinen Ruhm!

Eva: Und du, der Nächte Zierd' und Trost, und all das strahlend' Heer, verbreitet überall sein Lob in euerm Chorgesang.

Adam: Ihr Elemente, deren Kraft stets neue Formen zeugt, ihr Dünst' und Nebel, die der Wind versammelt und vertreibt:

Eva, Adam, Chor: Lobsinget alle Gott, dem Herrn! Groß wie sein Nam' ist seine Macht.

Eva: Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn! Den Wipfel neigt, ihr Bäum'! Ihr Pflanzen duftet, Blumen haucht ihm euern Wohlgeruch!

Adam:  Ihr, deren Pfad die Höh'n erklimmt, und ihr, die niedrig kriecht, Ihr, deren Flug die Luft durchschneid't, und ihr im tiefen Nass:

Eva, Adam, Chor:  Ihr Tiere, preiset alle Gott! Ihn lobe, was nur Odem hat!

Eva, Adam: Ihr dunklen Hain', ihr Berg' und Tal', ihr Zeugen unsres Danks, ertönen sollt ihr früh und spät von unserm Lobgesang.

Chor: Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil! Aus deinem Wort entstand die Welt. Dich beten Erd' und Himmel an, wir preisen dich in Ewigkeit!

 

Satz Nr. 30 Rezitativ von Adam und Eva

Adam: Nun ist die erste Pflicht erfüllt: Dem Schöpfer haben wir gedankt. Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens! Ich leite dich, und jeder Schritt weckt neue Freud' in unsrer Brust, zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann, welch unaussprechlich Glück der Herr uns zugedacht. Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn. Komm, folge mir, ich leite dich.

Eva: O du., für den ich ward, mein Schirm, mein Schild, mein All! Dein Will' ist mir Gesetz. So hat's der Herr bestimmt, und dir gehorchen bringt mir Freude, Glück und Ruhm.

 

Satz Nr. 31 Duett

Adam:  Holde Gattin, dir zur Seite fließen sanft die Stunden hin. Jeder Augenblick ist Wonne, keine Sorge trübet sie.

Eva: Teurer Gatte, dir zur Seite, schwimmt in Freuden mir das Herz. Dir gewidmet ist mein Leben, deine Liebe sei mein Lohn.

Adam: Der tauende Morgen, o wie ermuntert er!

Eva: Die Kühle des Abends, o wie erquicket sie!

Adam: Wie labend ist der runden Früchte Saft!

Eva: Wie reizend ist der Blumen süßer Duft!

Eva und Adam: Doch ohne dich, was wäre mir -

Adam: Der Morgentau,

Eva:  Der Abendhauch,

Adam: Der Früchte Saft,

Eva: Der Blumen Duft.

Eva und Adam: Mit dir erhöht sich jede Freude, mit dir genieß ich doppelt sie, mit dir ist Seligkeit das Leben, dir sei es ganz geweiht!

 

Satz Nr. 32 Rezitativ des Uriel

O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen als ihr habt, und mehr zu wissen als ihr sollt!

 

Satz Nr. 33 Schlusschor mit Soli
Singt dem Herren alle Stimmen! Dankt ihm alle seine Werke! Lasst zu Ehren seines Namens Lob im Wettgesang erschallen! Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit! Amen!

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service.konzertchor@t-online.de (Maria Schinnen/Monika Dritter)Standort / BVG Fahrinfo
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LeitungSergi Gili Solé (Chorleiter) Anmeldungen für den Konzertchor E-Mail senden
Proben der Mitsingkonzerte des Rundfunkchors BerlinAndrea Müller mitsingkonzert@gmx.deE-Mail senden
Koordinatorin NBHSAndrea dos Santos 859951-361

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