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Antonio Vivaldi: Gloria D-Dur

Es war eine Sensation, als 1926 vierzehn Bände mit handschriftlichen Partituren von Antonio Vivaldi entdeckt wurden. Diese bisher unbekannten Werke waren Teil einer umfangreichen Musikaliensammlung von insgesamt 97 Bänden, die Mönche vom Collegio San Carlo in San Martino (Montferrato) aus ihrem Besitz der Turiner Nationalbibliothek zum Verkauf anboten. Obwohl Vivaldi zu Lebzeiten als Komponist und Geigenvirtuose in ganz Europa bekannt war und von der Musikwelt hoch geschätzt wurde, waren seine Werke nach seinem Tod in Vergessenheit geraten. Eine der Ursachen war, dass Vivaldi nur relativ wenige Kompositionen für den Druck freigegeben hatte. Stattdessen hatte er den Großteil seiner Noten an reiche Privatleute verkauft und machte auf diese Weise eine Zeitlang gute Geschäfte. Die meisten seiner Kompositionen landeten in deren Privatbibliotheken. Dann aber änderte sich der Musikgeschmack; Vivaldis Werke waren bei dem italienischen Publikum nicht mehr gefragt und gerieten in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung seiner Werke fand im Jahre 1939, also fast 200 Jahre nach seinem Tod, eine Vivaldi-Woche in Siena statt und viele seiner Arbeiten wurden erstmals wieder aufgeführt, so auch das „Gloria“ in D-Dur. Das Publikum war begeistert. Vivaldis Musik erlebte eine Renaissance und für das „Gloria“ war es der Start in eine Erfolgsgeschichte. Heute gilt die Hymne als die am häufigsten aufgeführte geistliche Vokalkomposition des Barocks.

Der Text ist dem lateinischen Messtext des „Gloria in excelsis Deo” entnommen, der von Vivaldi in 12 Sätze aufgeteilt wurde. Jeden Satz vertonte er entsprechend dem Duktus der Sprache und der textlichen Intention. Dabei setzte Vivaldi bedingungslos auf die Überzeugungskraft des „Einfachen“ und baute seine Musik aus Grundelementen auf. Häufige Kontraste durch Tonartenwechsel, schnelle und langsame Tempi, Variationen zwischen lebhaften Bewegungen und ruhigen, lyrischen Sequenzen sorgen für ein hohes Maß an Abwechslung und Spannung. So entstanden vielfältige, sehr farbige musikalische Charaktere, die eine Bandbreite an Affekten und Stimmungen bei den Zuhörern erzeugen.

 

Giacomo Puccini: Messa di Gloria 

Ein ähnliches Schicksal war dem Werk „Messa di Gloria“ beschert, welches Puccini bereits mit 21 Jahren komponiert hatte. Es war sein Erstlingswerk. Trotz erfolgreicher Uraufführung am 12. Juli 1880 in Lucca verschwand es 72 Jahre lang von der musikalischen Bildfläche, vielleicht auch, weil Puccini das Manuskript zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht hatte.  Erst 1950 wurde die Messe durch den amerikanischen Priester Dante del Fiorentino bei Arbeiten an einer Puccini-Biographie wieder entdeckt. Er gab ihr den Namen „Messa di Gloria“, vermutlich wegen der ungewöhnlichen Länge des 2. Satzes „Gloria“, welches umfangreicher ist als alle anderen Sätze zusammen. Warum sich das Stück so unausgewogen präsentiert, ist nicht klar. Vielleicht geriet der junge Puccini in Zeitnot, da sich das Fest des in Lucca verehrten Heiligen Paolinus näherte, zu dessen Ehren das Werk aufgeführt werden sollte.

Giacomo Puccini war ein leidenschaftlicher Mensch, der in seiner Musik  Gefühle kraftvoll, fesselnd und dramatisch zum Ausdruck brachte. Besonders deutlich wird dies in seinen Opern „La Bohème“, „Tosca“, „Madama Butterfly“ oder „Turandot“. Aber auch in der Messa di Gloria spürt man seinen Hang zu kraftvoller Leidenschaft. Wir erleben einen ständigen Wechsel von lyrischen, emphatischen, ehrfürchtig getragenen, demütigen Passagen. Puccini beweist seinen Ideenreichtum im Erfinden von Melodien und demonstriert seine Meisterschaft in der Fugenkunst, die sowohl dem Chor als auch dem Orchester ein Höchstmaß an Präzision abverlangt.

So leidenschaftlich und kraftvoll wie seine Musik, so lebte auch Puccini selbst. Er war ein Lebemann, hatte Affären mit zahlreichen Frauen, war begeisterter Jäger, kaufte sich die schnellsten Autos und die neuesten Motorjachten. Er wurde eine der ersten berühmten Personen, die einen Unfall mit einem Auto hatten. Aufgrund zu hoher Geschwindigkeit überschlug sich das Auto am Stadtrand von Lucca und landete im Graben. Ernsthafte Verletzungen trugen er und seine Familie allerdings nicht davon. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes reiste der Puccini um die ganze Welt. Als er starb, war er der reichste Komponist seiner Zeit. Seine Jahreseinkünfte betrugen zuletzt umgerechnet 1,5 Millionen Euro.

Die „Messa di Gloria“ ist ein dankbares Werk für große Konzertchöre. Der Chor steht mit immer neuen melodischen Schönheiten ganz im Mittelpunkt des Werks. Daneben enthält es kleinere Partien für einen Tenor- und einen Bariton-Solisten.

Texte von Maria Schinnen

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