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Rolf Ahrens berichtet

Was ein Chorleiter alles lernen kann...

Stieß 1993 zum Konzertchor: Rolf Ahrens, Bild: Enno Hurlin

Im Frühling 1993 sitzen 12 sangesfreudige Friedenauerinnen im Nachbarschaftsheim Schöneberg und erwarten ihren neuen Chorleiter Rolf Ahrens zur ersten gemeinsamen Probe. Der hat gerade im RIAS-Kammerchor gesessen und dort auf höchstem, professionellem Niveau musiziert.

Eine Note aus der Partitur verwirklicht sich dort ganz selbstverständlich zum wohlgeformten Ton, die Klänge sind fast mechanisch perfekt. 

Und nun die Friedenauerinnen: Hausfrauen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen – keine Notenkenntnisse. Ihre ersten Töne erklingen zaghaft, vorsichtig und dünn - sympathisch aber falsch! Keine "Gesangstechnik" – die hohen Töne gepresst, die tiefen dunkel und strohig. Wie soll das nur werden? Und dann noch: "Also – 'Sie' können wir nicht zu Dir sagen – Du bist einfach Rolf für uns!" Der gewohnte Sicherheitsabstand eines etwas abgehobenen Musikers, einfach dahin!

Auf Verunsicherung folgt Mut

Die fröhlichen Frauen bekommen schnell Sicherheit gegenüber dem Mann von außen. Der aber ist schwer verunsichert.

Töne falsch, ungelernte Stimmen – ist das Musik?

Sie machen ihm Mut, beschließen, ein gemischter Chor zu werden, singende Männer zu suchen – auf Stadtteilfesten, auch in Zeitungsrubriken wie "Lonely Hearts". Die Männer kommen, und die Gesänge klingen immer noch nicht wie an der Musikhochschule gelehrt. Aber es ist Leben in der Bude.

Ein früher Auftritt, damals noch als Frauenchor... Foto: Nbhs

Das Greenhorn vor dem Chor versteht überhaupt nichts mehr. Die musikalische Vorbildung im Chor fehlt völlig, kaum einer weiß etwas mit Noten anzufangen – dennoch: Die Klänge der Gruppe werden bunter und vitaler. Nach den Proben mit unermüdlichen Versuchen, endlich das professionelle Niveau zu erreichen: "Rolf, das war schön heute, mir geht es nach dem Singen immer besser. Du machst das toll!" – Wie ist das nur möglich? Das Glücksgefühl, das durch Singen ausgelöst wird, scheint von der Perfektion der gesungenen Töne unabhängig zu sein! Aber wie kommt es dazu?

"Ein Gesundbrunnen"

Die passende Antwort liegt, so scheint es, in der Abwechslung, die hier jeder findet. Und am Umgang miteinander. So hat es zum Beispiel die Sängerin Renate Böttcher, ein Chormitglied seit dem Gründungsjahr 1987, einmal formuliert: "Kommt man so richtig kaputt von der Arbeit oder nach persönlichen Dingen zur Probe, so geht es einem hinterher besser. Das liegt an der Atmosphäre, an den Leuten und an der musikalischen Arbeit. Der Chor ist ein Gesundbrunnen für mich."

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