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Das Leben eines Chores

Konzertchor Friedenau während des Chorwochenendes 2014 in Woltersdorf

Das Leben eines Chores – mehr als das Übliche

 Einmal in der Woche Probe – zwei Konzerte im Jahr – Sommerfest und Weihnachtsfeier…der übliche Rhythmus eines Chores, wie er in Berlin tausendfach exisiert. Zigtausende Bürger dieser Stadt treffen sich nach Feierabend wöchentlich zu harmonischem Gesang. Welch ein Schatz für die Seele dieser Stadt!…wöchentlich ein Abend ohne Fernsehen oder Streit mit den Nachbarn, ohne die häuslichen Aufgaben oder Probleme. Stattdessen holen wir aus unseren Tiefen Klänge heraus, die wir ohne die MitsängerInnen allein nicht zu Stande brächten. ChorsängerInnen hören auf ihre Nebensänger und manfrau hört auf sie. Und dann geben sie in ihren Konzerten und Auftritten einem geneigten Publikum – zumeist Freunde und Verwandte – die Ergebnisse ihrer Bemühungen weiter.

 Der Konzertchor Friedenau macht da keine Ausnahme – seit fast 25 Jahren tagt er wöchentlich, organisiert sich in spezieller Organisationsgruppe und konzertiert im Bezirk, in Konzertsälen, Kirchen auch mal auf Reisen im In- und Ausland. Höhepunkte waren die Aufführung des Romantischen Oratoriums „Elias“ für Chor, Solisten und großes Orchester – aber auch die erstmalige Aufführung der „Misa Criolla“ – einer argentinischen Messe mit dem berühmten Gitarristen Coco Nelegatti und seinem siebenköpfigen Ensemble – mit folkloristischen Instrumenten wie unter anderem Bandoneon, Charango und Schlagwerk.

 Aber seit dem letzten Jahr kommen einige Aktivitäten dazu – und das ist neu:

 Die Mitsingkonzerte des mehrfachen Grammy-Preisträgers „Rundfunkchor Berlin“, bei denen über tausend Chorsänger aus Berlin und sogar aus Übersee in der Philharmonie mitmachen, unterstützt der Konzertchor Friedenau mit selbst organisierten Proben. Hier wird große Chorliteratur gearbeitet, die ein einfacher Chor nicht aufführen kann: die „Carmina Burana“ von Carl Orff, das Requiem von Giuseppe Verdi, die große As-Dur-Messe von Franz Schubert, und in diesem Jahr sogar das höchst anspruchsvolle War Requiem von Benjamin Britten – ein Werk, das angesichts der Greuel des zweiten Weltkrieges einiges zur Versöhnung zwischen dem englischen und deutschen Volk beigetragen hat. Dieses Oratorium ist wegen seiner freien Tonalität vielen SängerInnen eigentlich fast nicht zugänglich. Deswegen hat der Chor etwa 40 Proben organisiert – bis zu 140 TeilnehmerInnen erscheinen dafür in den Räumen des Nachbarschaftsheims. Im September werden es „Crashproben“ zur Auffrischung des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms sein. Leitung Rolf Ahrens, Pianist Uwe Streibel (siehe auch www.konzertchor-friedenau.de).

 Der Sommerkurs 2010, den der Leiter des Konzertchores anbot, wurde rege angenommen. Diesmal waren es vier Wochenendproben zur Pop-Gruppe Abba: „Thank you for the Music“, „Dancing Queen“, „I have a Dream“ aus dem Musical „Mamma Mia“ und „People need Love“ erschallten zur Playback-Band aus dem Großen Saal im Nachbarschaftshaus. Ein großer Spaß und voller Erfolg – Chormusik mal anders.

 Der Sommerkurs 2011 beschäftigt sich mit „klassischen Spirituals“ wie „Swing low“, „Good News“ und „Roll Jordan, roll“. Die klassischen Spirituals wurden von Menschen hervorgebracht, die eine geradezu magische Methode benutzten, um ihre Menschenwürde gegen die Qualen der barbarischen Sklaverei zu behaupten: das gemeinsame Singen! "Spirituals" sind die Beschwörungsgesänge, die auf den Sklavenschiffen und Baumwollplantagen der amerikanischen Südstaaten entstanden. In ihrer ursprünglichen Form werden sie bei vielen Gelegenheiten immer gerne gesungen und prägen sich beim Singen und Zuhören tief ein (siehe auch www.konzertchor-friedenau.de).

 Das Offene Singen vor dem Nachbarschaftshaus am Sonntag, dem 31. Juli um 15 Uhr gibt Groß und Klein die Gelegenheit, einfach ein paar Lieder mitzusingen, die jeder kennt – Texte werden verteilt, die Musiker auf Akkordeon, Gitarre und Bass spielen los, und wer will, ist dabei. Kein Leistungsdruck – einfach ein paar Volkslieder, Shanties, Spirituals, Schlager. Das Café ist geöffnet, und wenn es regnet, geht es im Großen Saal weiter. (RA)

Chorsingen als Treibstoff für den Alltag

Tönende und hörende Menschen

Foto: Sigi Möhring-Roth

Die Schwerpunkte bieten viel Abwechslung: Von mittelalterlichen Liedern mit alten Instrumenten bis zur Musik der Comedian Harmonists mit dem „Friedenauer Salon-Orchester“, von Bach-Chorälen bis zu dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gemeinsam aufgeführt mit Solisten und großem Orchester. Das klingt nach viel Arbeit. Ist es auch. Aber eines ist genauso sicher: Chorsingen macht glücklich.

Als singende und tönende Menschen, die im Chor zusammen kommen, nehmen alle Mitglieder gerne Expermimente auf sich. Der Konzertchor macht sich seine Arbeit, wenn er zwei Mal im Jahr auf die große Bühne will, eben nicht leicht. Oft traut er sich sogar bis an die Ränder des Spektrums der Chormusik, dorthin, wo es Laienmusiker sonst wahrlich nicht hinzieht. Statt den einfachsten Weg zu gehen, nimmt er sich zum Beispiel dann auch schon einmal den Kirchenmusiker Ernst Pepping vor.

Pepping und peppige Lieder

Dennoch lässt er die fröhliche, peppige Chormusik natürlich nicht aus. Die Entscheidungen, was gesungen wird, fallen nicht leicht - und bei weitem nicht einstimmig. Auch insofern arbeitet der Chor hart an sich selbst. Natürlich wünschen sich viele Sängerinnen und Sänger mehr Beschwingtes, andere wollen mehr Ernstes. 

Einig sind aber alle darin, dass sie Abwechslung wollen. Mal Pop, mal Volkslied, mal Klassik, mal Moderne.

Mal verrückt, mal gemäßigt, entweder fürs Herz oder für den Kopf, mal schwer, mal leicht. Der Konzertchor hat viel Erfahrung darin, Extreme auszuhalten.

Das Hochgefühl beim Konzert

Die Herausforderung vereint. Man könnte auch sagen: Gewiss ist oft nur die Ungewissheit, die am Anfang vieler Probephasen steht. Ob und wie ein bestimmtes Werk funktioniert. Doch am Ende, das bestätigen alle Mitwirkenden, steht immer das Hochgefühl während des Konzerts. Diese Überraschungen locken selten weniger als 300 Zuschauer/innen in die Konzertsäle, machmal bis zu 1000.

Alle zwei Jahre geht der Chor außerdem auf eine Konzertreise, die letzten Stationen waren etwa Stettin, Wien, Kopenhagen oder auch Braunlage im Harz und zuletzt die Lutherstadt Wittenberg.

Mittwoch ist Probentag

Eine regelmäßige Probenteilnahme ist für all das natürlich notwendig. Jede Woche trifft sich der Chor abends zur Probe im Nachbarschaftshaus, je nach Projekt gibt es eventuell Zusatztermine oder bisweilen auch gesellige Arbeitswochenenden. Der Chorbeitrag beträgt derzeit 13 Euro monatlich.

Bild: Enno Hurlin

Geschichte des Chores

Erst hören, dann singen

Bild: Enno Hurlin

20 Jahre Konzertchor Friedenau

  • konzertchor20jahre 03.pdf
    Die Broschüre kann gegen einen Kostenbeitrag von 3 € im Café in der Holsteinischen Straße 30 erworben werden.2,82 M

Kontakt

Konzertchor Friedenau
Holsteinische Straße 30
12161 Berlin
Standort / BVG Fahrinfo
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Leitung
Sergi Gili Solé
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Ansprechpartnerin ausschließlich für Konzertchor Friedenau
Elke Meier
Tel 030/51 65 46 45

Ansprechpartnerin Mitsingkonzerte und -proben
Karin Götze
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