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Mittelalterliches Treiben

Die „Carmina Burana“ (Buranische Lieder) ist eine der bedeutendsten Lyriksammlungen des Mittelalters. Oft werden sie als „Vagantenlyrik“ bezeichnet, da viele Lieder anonym verfasst waren. Inzwischen konnten jedoch bestimmte Autoren identifiziert werden. Meist waren es Kleriker, Mönche, Gelehrte  oder umherziehende Studenten (Scholaren), die eine breite klassische Bildung besaßen und neben Latein auch in der griechischen Mythologie bewandert waren. Gelegentlich wurden sie als Aushilfskräfte von Geistlichen angestellt oder leisteten an kirchlichen und weltlichen Höfen Kanzleidienste. Viele fanden nach ihrer Ausbildung aber keine feste Anstellung an einer Hochschule oder in einem Kloster und reisten durch die Lande.

Die Carmina Burana bestanden insgesamt aus 315 Liedern und Gedichten, wobei einige Texte verloren gingen. Sie waren auf Pergament meist in lateinischer Sprache abgefasst, jedoch gibt es auch mittelhochdeutsche und altfranzösische Verse, sowie einen griechischen Refrain. Einige Lieder bestehen aus verschiedenen Sprachen.

Wer sie einst gesammelt und gebunden hat, wissen wir nicht. Viele sind einmalig und nur in dieser Sammlung enthalten. Zu anderen gibt es Parallelüberlieferungen und von diesen sind oft auch die Autoren bekannt.

Die Bandbreite der Themen ist riesig und gibt dem heutigen Leser einen Einblick in das Lebensgefühl, das Denken und die Vorkommnisse des Hochmittelalters. Witzig, pointiert und komisch demonstrieren sie die Leiden und Freuden des Alltags, sarkastisch und zynisch geißeln sie verfehltes Mönchsleben und prangern verdorbene Charakteren und Laster an. Ernste weltliche Themen stehen neben derbem Spaß, praller Sinnesfreude, Unzüchtigkeiten bis hin zu Obszönitäten.

Häufige Themen sind Liebeslust, Trinkgelage, Völlerei, Glücksspiele, erotische Fantasien, Verführungen, Liebesakte, Kritik an Simonie und an der Geldgier der Kirche. Auch Satiren und Parodien sind verzeichnet, z.B. karikierende klösterlichen Ordensregeln, die spätes Aufstehen, reichliches Essen und Trinken sowie regelmäßiges Würfelspiel befehlen, eine Beichte, in der die Ich-Person seinem Herrn alles gesteht, was dessen Hof Schlechtes über ihn sagt, eine "Gauklermesse"; in der ein Kosmetik-Händler der Prostituierten Maria Magdalena Cremes und Parfums empfiehlt, mit denen sie die Männer am besten verführt und ein Gebet der Würfelspieler:„Betrug sei mit euch – Und mit dir Schmarotzer“. Selbst die „moralischen“ Gedichte schildern mit Enthusiasmus eher die Sittenlosigkeit statt die Tugend.

Die Carmina Burana weisen kunstvolle Miniaturen auf, acht kolorierte Federzeichnungen in schwarz-brauner oder roter Tinte vor farbigen Gründen. Sie sind auf den Inhalt abgestimmt. Auch einige ganzseitige Bilder sind enthalten.

40 Lieder des Codex Buranus enthalten Melodienotierungen in Form von „Neumen“. Neumen sind graphische Zeichen und Symbole, die im Mittelalter zur Notation einer Melodie verwendet wurden. Meist standen sie über dem Text. 

Informationsquelle

-  Wikipdia

-  Vagantenlieder, verlegt bei Eugen Diederichs, Jena 1927

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